Biografie Dr. Edouard-Maurice Rothpletz
Porträt von Dr. Edouard-Maurice Rothpletz

Biografie und sportliches Lebenswerk

Dr. Edouard-Maurice Rothpletz

  • Geboren4. September 1933 in Aarau
  • Verstorben11. Juni 2026 in Genf
  • Schulenin Aarau
  • StudiumPsychiatrie in Zürich, Genf, Berlin und Paris
  • PrivatpraxisPsychiatrie, 1973 bis 2003 in Genf
  • Wohnungenin Genf und Ennetbürgen
  • Zivilstandseit 1983 verheiratet mit Selva-Carmen Monnard

Mit diesem Nachruf möchten wir vor allem die Errungenschaften von Edy im Kanusport hervorheben. Dank dem Lebenslauf, verfasst durch Edy Rothpletz und Franziska Graf, können wir auf genaue Daten zurückgreifen. Edy ist in Aarau zweisprachig aufgewachsen, da seine Mutter Romande war.

Sportliche Laufbahn

Edy Rothpletz im Wildwasserkajak

Edy hat den Kanusport sehr geliebt und bis zu seinem Tod aktiv betrieben. Er fuhr sowohl Wildwassertouren als auch Rennen in den Disziplinen Slalom und Abfahrt, immer im Kajak.

  • 1945 baute er mit seinem Vater ein Paddelboot. Die ersten Paddelschläge übte er danach auf der Aare bei Aarau.
  • 1948 folgte ein erster Eigenbau eines Wildwasser-Faltbootes nach dem Plan von Dr. Rudolf Grogg.
  • 1950 wurde er Mitglied des traditionsreichen „Faltbootklub Mittelland“ (heute Mittelländer Kanuclub Aarau) und kam zu ersten Kontakten mit Wildwasser und Slalom.
  • 1951 wurde er Junioren-Schweizermeister.
  • 1952 erfolgte die Eingliederung ins Nationalteam. Das Slalomtraining mit Werner Zimmermann Sen. und Milo Duffek fand in Dietikon statt, zu Beginn des Medizinstudiums in Zürich. Dadurch verbesserte er seine Slalomtechnik deutlich und erzielte gute Resultate in Slalom und Abfahrt.
  • 1957 trat er nach dem Umzug nach Genf in den „Canoë Club de Genève“ ein. Es folgten mehrere Schweizermeistertitel und eine Bestzeit mit fehlerfreiem Lauf am Internationalen Slalom Genf, 31 Sekunden vor Milo Duffek.
  • 1959 erreichte er den dritten Rang an der ersten Abfahrtsweltmeisterschaft auf der Vézère. Im selben Jahr gelang ihm eine Weltpremiere: die Eskimorolle mit blossen Händen im Tourenkajak.
  • 1960 arbeitete er die „Zweitaktmethode“ mit zwei Händen und den blitzschnellen „Pop out“ mit Paddel aus.
  • 1961 verzichtete er wegen unfairer Wettkampfbedingungen auf die Weltmeisterschaft in der DDR.
  • 1963–1965 war das Kanufahren wegen einer Diskushernie eingeschränkt.
  • 1966 nahm er das tägliche Training im Boot wieder auf und gewann bei den Internationalen Kanurennen in Muotathal sowohl Slalom als auch Abfahrt.
  • 1967 belegte er den 7. Rang an der Slalom-WM in Lipno und den 10. Rang an der Abfahrts-WM in Spindlermühle. Nach 17 Jahren trat er aus der Schweizer Nationalmannschaft aus.
  • 1971 gewann er den internationalen Slalom auf dem Fier ex aequo mit Weltmeister Claude Peschier.
  • 1973 erreichte er mit 40 Jahren den zweiten Rang an der Schweizer Slalom-Meisterschaft in Goumois. Sieger war Daniel Holliger, sein bester Schüler.
Edy war mehrfacher Sieger am Versoix Derby in der Abfahrt und an den Championnats Romands im Slalom. Von 1970 bis 1995 wirkte er als Trainer der besten Junioren im Canoë Club de Genève.

Wildwasser und Erstbefahrungen

Die vollständige Aufzählung der frühen Erstbefahrungen findet sich im Jubiläumsbuch 1929–1979 des Mittelländer Kanuclubs; ergänzt wurde sie durch spätere Erstbefahrungen bis 1987.

  • 1958 Erstbefahrung von vier Flüssen in Dalarna, Schweden: Ljöra, Storan, Grövelan (WW III–IV) und Lunen.
  • 1963–1965 Erstbefahrung der Lonza im Wallis mit H. Wehrli, bei 30 ‰ Gefälle.
  • 1964–1983 Erstbefahrungen der Dora Baltea und ihrer Seitenflüsse; südlich von Ivrea auch Chiusella und Soana (1979–1980).
  • 1977–1978 Korsika: Erstbefahrung der Liamoneschlucht und des Grosso; später Fium Orbo, Défilé des Strette.
  • 1978–1979 Erstbefahrung des Vénéon in Frankreich von La Bérarde bis zur Mündung mit G. Bürgi (WW III–VI).
  • 1979 Urubamba-Expedition in Peru: Erstbefahrung des Torrentei Canyons, 80 km in 10 Tagen, WW IV–VI, mit E. Heiz, G. Pfiffner und P. Huber.
  • 1980 Erstbefahrung der „Gorges du Diable“ an der Dranse de Morzine in Savoyen mit G. Bürgi (WW IV–V).
  • 1982 Befahrung des Colorado Canyons mit zwei französischen Paddlern und zwei Genfer Kameraden; zudem Arkansas inklusive Pinecreek Canyon mit A. Meister.
  • 1985 Expedition in die Nordost-Türkei und Erstbefahrung von sechs Wildflüssen am Nordhang des Kaçkar-Gebirges bei Rize mit K. Zehnder, St. Messmer und F. Wermund.
  • 1987 welterste Kajakexpedition in Ecuador: Erstbefahrung aller mit dem Auto erreichbaren Flüsse der Sierra, zehn Andenflüsse (WW III–V), mit K. Zehnder, R. Paul, S. Shaw, J. Schwarzer und U. Bula.
  • 1994 vierzehn Tage auf wuchtigen Wildflüssen in Norwegen mit K. Zehnder und F. Wermund.
  • 2012 zwei Wochen in den Schluchten des Epirus in Nordgriechenland mit Kollegen.
Zusammenfassung: Von 1957 bis 1987 unternahm Edy eine Vielzahl von Erstbefahrungen in den Schweizer Alpen, in Frankreich – insbesondere auf Korsika – und in Norditalien, besonders im Aostatal. Insgesamt werden über 70 Erstbefahrungen genannt, einschliesslich Expeditionen auf drei Kontinenten.

Projekte und Bootsbau

Kanuslalomstrecke Bannwil

In jahrelanger unermüdlicher Arbeit trieb Edy das Projekt einer Trainingsstrecke für Kanuslalom voran. Er nahm mit allen Kraftwerken entlang der Aare Kontakt auf, um sie für eine Zusammenarbeit zu gewinnen. Beim Kraftwerk Bannwil fand er Partner. Eine Planungsgruppe mit Kanufahrern und Fachleuten wurde gegründet und Vorprojekte wurden ausgearbeitet. Das hoffnungsvolle Vorhaben geriet später jedoch ins Stocken.

Bootsbau

Seit 1948 konzipierte und baute er mehr als 40 Kajakformen für Slalom und Wildwasser. Anfänglich entstanden vier Faltboote, darunter der Typ „Augsburg 1956“, ab 1962 starre Kajaks aus glasfaserverstärktem Kunststoff.

T68
Sein schönster und erfolgreichster Slalomkajak befindet sich heute im Verkehrshaus Luzern.

Compact 76 und Compact 300
Der 3,50 m lange „Compact 76“ war eine Weltpremiere; seine Negativform wurde in der Schweiz für den Eigenbau sehr beliebt. Der 3 m lange „Compact 300“ wurde von der Bootswerft Probst in Derendingen vertrieben.

Tonfilme und Veröffentlichungen

Tonfilme in Super 8

  • 1979 Peru–Urubamba
  • 1981 Bala, Slalom-WM
  • 1982 Grand Canyon (Colorado)
  • 1984 Corsica
  • 1984 Melach–Tirol
  • 1985 Türkei
  • 1987 Ecuador
  • 1995 Aubonne
  • 2002 Bourg-Saint-Maurice, Slalom-WM

Schriftliche Veröffentlichungen

Reportagen von Expeditionen nach Urubamba, in die Nordost-Türkei und nach Ecuador erschienen in der Kanupresse und in Tageszeitungen. Hinzu kamen Berichte über Erstbefahrungen in der Schweiz, in Italien – sämtliche Flüsse im Aostatal – und in Frankreich einschliesslich Korsika.

Schriften im Privatverlag:

  • Band I: „Kanu und Kajak, vom Urbeginn bis 19. Jahrhundert“
  • Band II: „Kanu und Kajak, Entwicklung von 1900 an bis heute, aus schweizer Sicht“
  • Artikel „Kanufahren als Extremsport“ sowie weitere Artikel in der Kanupresse

Ehrung